Schulz denkt nur an Wahlkampf — Kauder

Seit dem 13. November 2009 ist Sigmar Gabriel Parteivorsitzender der Sozialdemokraten. Nun legt er sein Amt nieder. Als Kanzlerkandidat soll Martin Schulz die SPD in den Bundestagswahlkampf führen. Die Liste von Gabriels Vorgängern als Chef der Sozialde

Er! Ist! Hier!

Er weiß genau, dass er auch wegen seiner Haltung als früherer Europaparlamentschef dabei wesentlich glaubwürdiger ist, als etwa in den Zahlendetails der Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Auch Jusos und Bayern-SPD hoffen auf Aufbruchstimmung. Aber die Art und Weise, wie es bei Schulz ankommt, sagt alles.

Schulz gibt auch selbst zu, dass er heute keine abschließende programmatische Rede halten werde. Schulz sage bisher nicht, wie er seine Ankündigungen erreichen wolle. Noch immer stelle man fest, sagte Tauber: "100 Prozent unkonkret". Sie jubelten Schulz begeistert zu. "Schulz suggeriert Läuterung und Abkehr vom "Weiter so!", verspricht aber mit seiner politischen Biografie zugleich das Gegenteil - dass sich also nichts groß ändern wird". "Jetzt lasst uns weitermachen!". Die Spitzenkandidaten Göring-Eckardt und Özdemir erklärten, sie freuten sich darauf, gemeinsam mit ihm für ein weltoffenes und solidarisches Deutschland in einem vereinten Europa einzustehen. Anschließend wurde Schulz auch offiziell zum Kanzlerkandidaten bestimmt.

Schulz hatte bei der Wahl zum neuen Vorsitzenden der Sozialdemokraten auf einem Sonderparteitag am Sonntag in Berlin hundert Prozent der Delegiertenstimmen erhalten - das beste Ergebnis eines SPD-Chefs seit Gründung der Bundesrepublik. Gabriel bedankt sich für die Ovationen mit der Bemerkung, die SPD habe seit Jahrzehnten keinen optimistischeren Übergang mehr erlebt. "Reicht das für einen Wahlsieg?"

Wobei: Begeisterung wirkt eher untertrieben angesichts der geradezu beseelten Euphorie, die Martin Schulz binnen weniger Wochen in der SPD ausgelöst hat. Längst ist der "Schulzzug" auf die Schiene gesetzt, und die SPD-Delegierten lassen sich von der Konkurrenz nicht mehr davon abbringen, ihren neuen Hoffnungsträger zum Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten zu wählen. "Regieren ist Speeddating mit der Realität", sagt der scheidende Parteichef in seiner Rede. Fantastisch. Alle in der SPD sagen das.

So verlangt der Linken-Bundestagskandidat Dietmar Bartsch, Schulz solle deutlich sagen, dass er nicht in ein Kabinett unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehe.

Schaut man in die Gesichter der 600 SPD-Delegierten in der übervollen Halle, erkennt man in vielen eine schon abhanden geglaubte Begeisterung, ein Glühen. Für Bezieher von Hartz IV soll das Schonvermögen von bislang 150 auf 300 Euro pro Lebensjahr verdoppelt werden. Er habe seinem Stiefbruder seine Pistole gezeigt, beim Hantieren habe sich unabsichtlich ein Schuss gelöst.

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"Bildung soll gebührenfrei werden, von der Kita bis zum Studium."

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Der SPD-Vorstand hatte den 61-Jährigen Ende Januar nominiert. Aber wir alle stehen auf den Schultern von Willy Brandt und anderen. Und Schulz? Er stützt die Kanzlerin ausgerechnet dort, wo sie schwere Fehler begangen hat - in der Flüchtlingspolitik.

Doch woher kommt dieser Hype um Martin Schulz?

Verzagtheit oder kritische Selbstreflexion sind bei der Partei, die seit ihrer Wahlniederlage mit rund 23 Prozent im Jahr 2009 im Bund im 20-Prozent-Tal verharrte, an diesem Tag nicht angesagt. Ohne die neue US-Regierung von Donald Trump namentlich zu erwähnen, setzten sich beide von protektionistischen Tendenzen ab. Schulz vertröstet auf später.

Wie am Montag bekannt wurde, rückt aber auch Merkel selbst von dieser Sicht offenbar ab: Zur Unterstützung ihres Generalsekretärs im Wahlkampf hat sie laut "Spiegel" einen versierten Polit-Strategen in die CDU-Zentrale geholt. Vor allem junge Leute fänden den neuen SPD-Chef mit seiner gebrochenen Biografie "cool". Das sei nicht Tradition der Partei. Doch was kann die SPD im Wahljahr liefern? Er absolvierte eine Lehre als Buchhändler und startete eine politische Karriere als Bürgermeister und EU-Abgeordneter, weil ihm seine Familie sowie Freunde bei den Jusos geholfen haben. Oder, um es mit Schulz zu sagen: "Was ich aufgezählt habe, kostet Geld". "(.) Das Ergebnis bringt Herrn Schulz in die Pole-Position, um die mächtigste Frau der Welt ihres Amtes zu entheben". Der Unternehmer sei für die SPD ein Partner, kein Klassenfeind. "Diese Pläne sind extrem ungerecht, ökonomisch unvernünftig und sie spalten unsere Gesellschaft". Das Konzept der SPD: Investieren, investieren.

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